Welche Einstreu eignet sich für Pferde mit Atemwegsproblemen?
Bei Pferden mit Equinem Asthma zählt die Optimierung der Haltung zu den wichtigsten Bausteinen des Managements. Neben staubarmem Raufutter, guter Stallbelüftung und regelmäßigem Ausmisten spielt auch die Wahl der Einstreu eine wichtige Rolle.
Staub, Schimmelsporen, Feinstaub und Ammoniak können die Schleimhäute reizen und bestehende Atemwegsprobleme zusätzlich belasten. Deshalb stellt sich vielen Pferdehaltern die Frage: Welche Einstreu ist für Pferde mit Atemwegsproblemen am besten geeignet?
Worauf kommt es bei einer Einstreu für Hustenpferde an?
Bei Pferden mit empfindlichen Atemwegen sind insbesondere folgende Eigenschaften relevant:
- möglichst geringe Staubentwicklung
- geringe Belastung mit Schimmelpilzen und Keimen
- gute Aufnahme von Feuchtigkeit
- möglichst gute Bindung und geringe Freisetzung von Ammoniak
- gleichbleibend hohe Produktqualität
- gute Verfügbarkeit und praktikable Handhabung
- hygienische Lagerung
Warum spielt Ammoniak eine so wichtige Rolle?
Neben Staub wird Ammoniak häufig unterschätzt. Ammoniak entsteht, wenn Bakterien den im Pferdeurin enthaltenen Harnstoff abbauen. Das entstehende Gas kann sich insbesondere in schlecht belüfteten Ställen in Bodennähe anreichern.
Auch niedrige Ammoniakkonzentrationen können die Stallluftqualität verschlechtern und empfindliche Atemwege reizen. Höhere oder länger anhaltende Belastungen können die natürliche Selbstreinigung der Atemwege beeinträchtigen und Atemwegsprobleme verstärken.
Welche Rolle spielt der pH-Wert?
Ob Ammoniak in die Stallluft entweicht, hängt unter anderem vom pH-Wert der Einstreu ab.
Saures Milieu = weniger Ammoniak
Bei einem eher sauren Milieu bleibt Stickstoff überwiegend als Ammonium (NH₄⁺) gebunden und gelangt weniger als gasförmiges Ammoniak (NH₃) in die Stallluft.
Zusätzlich beeinflussen auch die Saugfähigkeit, die Feuchtigkeit, die Temperatur sowie die Aktivität von Mikroorganismen die tatsächliche Ammoniakentwicklung.
Die wichtigsten Einstreuarten im Vergleich
🪵 Entstaubte Holzspäne
Vorteile
- sehr gute Verfügbarkeit
- geringe Staubentwicklung bei hochwertiger Qualität
- leicht saurer pH-Wert
- gute Akzeptanz
- einfache Handhabung
Nachteile
- Qualitätsunterschiede zwischen den Herstellern
- regelmäßiges Entfernen nasser Stellen wichtig
- nicht mit gewöhnlichen Hobel- oder Sägespänen gleichzusetzen
🪵 Holzpellets
Vorteile
- sehr hohe Saugfähigkeit
- gute Ammoniakbindung
- platzsparende Lagerung
- bundesweit verfügbar
- leicht saurer pH-Wert
Nachteile
- können unter bestimmten Bedingungen Feinstaub freisetzen wenn sie zerfallen
- Stärke des Effekts abhängig von Produktqualität und Boxenmanagement
🌿 Torf
Vorteile
- sehr gute Feuchtigkeitsaufnahme
- saurer pH-Wert
- sehr gute Ammoniakbindung
- geringe Staubentwicklung
- in Studien günstige Ergebnisse hinsichtlich Atemwegsentzündungen
Nachteile
- regional eingeschränkte Verfügbarkeit
- höhere Kosten
- ökologische Aspekte beim Torfabbau
- färbt Fell und Ausrüstung
- Qualität variiert je nach Herkunft
🌾 Leinstroh (Flachseinstreu)
Vorteile
- hohe Saugfähigkeit
- vergleichsweise geringe Staubentwicklung
- gute Kompostierbarkeit
- leicht saurer bis nahezu neutraler pH-Bereich
Nachteile
- weniger Studien speziell zu Pferden mit Equinem Asthma
- teilweise höherer Preis
🌱 Miscanthus (Elefantengras)
Vorteile
- nachwachsender Rohstoff
- gute Feuchtigkeitsaufnahme
- häufig als staubarm beschrieben
- gute Kompostierbarkeit
Nachteile
- bislang nur wenige unabhängige Studien zur Atemwegsgesundheit beim Pferd
- Qualität kann je nach Hersteller variieren
🌲 Waldboden
Vorteile
- häufig gute Wasseraufnahme
- weiche Liegefläche
- teilweise torffrei
- oft als staubarm beschrieben
Nachteile
- sehr unterschiedliche Zusammensetzung
- kaum unabhängige Studien zur Wirkung auf die Atemwege
- pH-Wert und Eigenschaften sind produktabhängig
🌾 Strohpellets
Vorteile
- platzsparend
- gute Flüssigkeitsaufnahme
- meist geringere Staubentwicklung als Langstroh
Nachteile
- uneinheitliche Studienlage
- in einzelnen Untersuchungen ungünstigere Atemwegsparameter als Holzpellets oder Torf
🌾 Langstroh
Vorteile
- weich
- sehr gut verfügbar
- fördert natürliches Liegeverhalten
Nachteile
- höhere Staubbelastung
- Schimmelsporen möglich
- geringere Ammoniakbindung
- pH-Wert eher neutral bis leicht alkalisch
Vergleich der wichtigsten Eigenschaften
| Einstreu | Staubentwicklung* | Ammoniakbindung** | Studienlage (Atemwege) | Verfügbarkeit DE |
|---|---|---|---|---|
| Entstaubte Holzspäne | Gering | Gut | Sehr gut | Sehr gut |
| Holzpellets | Gering | Gut | Gut | Sehr gut |
| Torf | Sehr gering | Sehr gut | Sehr gut | Eingeschränkt |
| Leinstroh | Gering | Gut | Mittel | Gut |
| Miscanthus | Mittel | Mittel | Gering | Mittel |
| Waldboden | Mittel | Mittel | Sehr gering | Mittel |
| Strohpellets | Mittel | Mittel | Mittel | Gut |
| Langstroh | Höher | Gering | Gering | Sehr gut |
* Die Bewertung bezieht sich auf hochwertige Produkte bei sachgemäßer Anwendung und berücksichtigt die verfügbare Literatur sowie praktische Eigenschaften. Sie stellt keine absolute Rangfolge dar.
** Die Ammoniakbindung wird durch mehrere Faktoren beeinflusst, darunter pH-Wert, Saugfähigkeit, Feuchtigkeit, mikrobielle Aktivität und Stallmanagement.
Fazit
Die derzeitige Studienlage zeigt, dass nicht eine einzelne Einstreu, sondern die gesamte Stallumgebung über die Belastung der Atemwege entscheidet. Neben der Materialwahl spielen insbesondere Staubentwicklung, Ammoniakbelastung, Feuchtigkeitsmanagement, regelmäßiges Ausmisten und eine gute Stallbelüftung eine zentrale Rolle.
Für einige Einstreuarten – insbesondere Torf, entstaubte Holzspäne und Holzpellets – liegen bereits vergleichsweise viele wissenschaftliche Untersuchungen vor. Für Leinstroh, Miscanthus und Waldboden gibt es bislang deutlich weniger belastbare Daten speziell zu Pferden mit Equinem Asthma.
Können Zusätze die Einstreu sinnvoll ergänzen?
Neben der Wahl der Einstreu werden verschiedene Zusatzprodukte angeboten, die Staub, Feuchtigkeit oder Ammoniak in der Pferdebox reduzieren sollen. Dazu gehören beispielsweise Boxenmatten, mineralische Einstreuzusätze oder mikrobiologische Produkte. Ihre Wirkung hängt jedoch stark vom jeweiligen Produkt, der Anwendung und dem Stallmanagement ab.
Boxenmatten
Boxenmatten werden in vielen Ställen eingesetzt, um den Liegekomfort zu verbessern und die benötigte Einstreumenge zu reduzieren.
Mögliche Vorteile:
- weichere Liegefläche
- geringerer Einstreuverbrauch
- weniger Mistvolumen
- gute Trittsicherheit
- können bei ausreichender Drainage trockene Liegeflächen unterstützen
Die wissenschaftliche Studienlage zur direkten Auswirkung von Boxenmatten auf die Gesundheit von Pferden mit Equinem Asthma ist derzeit begrenzt. Sie können jedoch indirekt zu einem besseren Stallklima beitragen, wenn sie in ein funktionierendes Boxenmanagement integriert werden.
Mineralische bzw. anorganische Zusätze
Hierzu gehören beispielsweise:
Diese Produkte werden meist unter die Einstreu eingestreut oder gezielt auf nasse Bereiche aufgebracht. Mineralische Materialien besitzen eine große innere Oberfläche und können Feuchtigkeit aufnehmen, Ammonium binden und Gerüche reduzieren. Dadurch kann unter günstigen Bedingungen auch die Freisetzung von gasförmigem Ammoniak verringert werden.
Kalkprodukte
Einige moderne Stallhygieneprodukte enthalten dagegen säurehaltige oder pH-regulierende Komponenten, die gezielt auf eine Verringerung der Ammoniakfreisetzung abzielen. Ihre Wirksamkeit ist jedoch produktabhängig und sollte anhand der jeweiligen Herstellerangaben und vorhandener Studien beurteilt werden.
Mikroorganismen (EM, Stallbakterien)
Einige Produkte enthalten sogenannte effektive Mikroorganismen (EM) oder spezielle Bakterienkulturen, die das Stallmilieu positiv beeinflussen sollen. Als mögliche Effekte werden unter anderem genannt: geringere Geruchsentwicklung, schnellere Umsetzung organischer Stoffe und Verbesserung der mikrobiellen Balance.
Was ist derzeit wissenschaftlich am besten belegt?
Fazit: Die gesamte Stallumgebung entscheidet
Zusatzprodukte können das Boxenmanagement sinnvoll ergänzen, ersetzen jedoch keine hochwertige, möglichst staubarme Einstreu und keine regelmäßige Stallhygiene. Die derzeitige wissenschaftliche Evidenz spricht dafür, dass Faktoren wie Einstreuqualität, konsequentes Entfernen nasser Stellen, gute Stallbelüftung und hochwertiges Raufutter einen wesentlichen Einfluss auf die Luftqualität im Pferdestall haben.
Welche Einstreu letztlich die beste Wahl ist, hängt nicht nur vom Material ab, sondern auch von der Qualität, dem allgemeinen Management und den individuellen Bedürfnissen des Pferdes. Für Pferde mit Equinem Asthma lohnt es sich, die gesamte Stallumgebung zu betrachten: staubarmes Raufutter, gute Belüftung, regelmäßiges Ausmisten und eine hochwertige Einstreu wirken zusammen und können die Belastung der Atemwege deutlich reduzieren.