Hustenmedikamente beim Pferd: Welche Medikamente helfen bei Equinem Asthma?

Hat dein Pferd Husten, zähen Schleim oder Equines Asthma, ist die Verunsicherung oft groß: Inhalation, Schleimlöser, Bronchienerweiterer, Kortison, Futterumstellung, staubarme Einstreu – was ist wann sinnvoll?

Dieser Beitrag gibt dir einen Überblick, welche Medikamentengruppen bei Equinem Asthma beim Pferd eingesetzt werden können – und warum die Entscheidung immer gemeinsam mit der behandelnden Tierärztin oder dem behandelnden Tierarzt getroffen werden sollte.

Wichtig ist: Vom Tierarzt verordnete Medikamente können akute Beschwerden lindern und Entzündungen wirksam kontrollieren. Für einen langfristigen Behandlungserfolg ist jedoch ebenso wichtig, die Belastung der Atemwege durch Staub und andere Reizstoffe konsequent zu reduzieren.

Bei Equinem Asthma gilt die Reduktion von inhalierbaren Reizstoffen als zentraler Bestandteil der Behandlung: lungengängiger Staub, Schimmelpilzsporen, Endotoxine, Ammoniak und schlechte Stallluft sollten so weit wie möglich reduziert werden. Das MSD Veterinary Manual bezeichnet Umweltmanagement als wichtigsten Baustein der Kontrolle; Medikamente helfen, Symptome zu lindern, reichen aber allein oft nicht aus, wenn das Pferd weiter stark belasteter Stallluft ausgesetzt ist.

Wann braucht ein Pferd Medikamente?

Medikamente können sinnvoll oder notwendig sein, wenn dein Pferd deutliche Symptome zeigt, zum Beispiel:

deutlich erhöhte Atemfrequenz in Ruhe (Normalwert: 8–16 Atemzüge pro Minute)
geblähte Nüstern
sichtbare Bauchatmung oder „Pumpen"
wiederholter Husten
zäher Schleim
Leistungsabfall
Unruhe, Schwitzen oder Atemnot
Bei stark erschwerter Atmung, ausgeprägter Bauchpresse oder akuter Atemnot gilt: sofort tierärztliche Hilfe holen. Das ist ein Notfall.

Equines Asthma ist eine chronische, nicht infektiöse entzündliche Erkrankung der unteren Atemwege. Typisch sind Entzündung, Überempfindlichkeit der Atemwege und – vor allem bei längerem oder schwerem Verlauf – Umbauprozesse in den Atemwegen. Deshalb sollte ein akuter Schub nicht „ausgesessen" werden.

Die drei wichtigsten Medikamentengruppen

1

Bronchienerweiterer

Lösen Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur und erleichtern die Atmung kurzfristig.

2

Entzündungshemmer

Kortikosteroide bekämpfen die eigentliche Entzündung der Atemwege gezielt.

3

Schleimlöser & Inhalationslösungen

Unterstützen die Verflüssigung von zähem Schleim und den natürlichen Schleimtransport.

1

Bronchienerweiterer (Bronchodilatatoren)

Bei einem Asthmaschub können sich die Muskeln in den Wänden der Bronchien verkrampfen. Dadurch verengen sich die Atemwege zusätzlich, und das Atmen fällt dem Pferd schwer. Bronchienerweiternde Medikamente – auch Bronchodilatatoren genannt – lösen diese Verkrampfung und erweitern die Atemwege. Das Pferd bekommt dadurch häufig schon innerhalb kurzer Zeit wieder leichter Luft.

Bronchienerweiterer lindern die Beschwerden, behandeln aber nicht die eigentliche Entzündung der Atemwege. Deshalb werden sie in der Regel nicht allein, sondern häufig in Kombination mit entzündungshemmenden Medikamenten wie Kortikosteroiden eingesetzt.

Außerdem kann bei einigen bronchienerweiternden Wirkstoffen – insbesondere bei einer längeren Anwendung – ein Gewöhnungseffekt (Tachyphylaxie) auftreten. Dadurch kann die bronchienerweiternde Wirkung mit der Zeit nachlassen. Auch deshalb sollten Bronchodilatatoren nur nach tierärztlicher Anweisung und als Bestandteil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts eingesetzt werden.

Je nach Situation können Bronchienerweiterer unterschiedlich verabreicht werden:

💊 Systemisch

Zum Beispiel als Saft oder Tabletten. Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist:

Clenbuterol

Ob und wann er sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Tierärztin oder der behandelnde Tierarzt.

🫁 Inhalativ

Direkt über einen Inhalator in die Atemwege. Da die Medikamente direkt in den Bronchien wirken, setzt ihre Wirkung meist schnell ein. Häufig verwendete Wirkstoffe:

Salbutamol (Albuterol) Ipratropiumbromid
Sie verschaffen dem Pferd zwar häufig schnell Erleichterung, die eigentliche Entzündung der Atemwege bleibt jedoch bestehen und muss zusätzlich behandelt werden. Deshalb empfehlen tierärztliche Leitlinien, Bronchienerweiterer vor allem als unterstützende Behandlung einzusetzen und gleichzeitig die Entzündung sowie die auslösenden Umweltfaktoren zu behandeln.
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Entzündungshemmer (Kortikosteroide)

Während Bronchienerweiterer dem Pferd kurzfristig das Atmen erleichtern, bekämpfen sie nicht die eigentliche Ursache der Beschwerden: die Entzündung in den Atemwegen.

Ist Kortison schädlich?
Kortikosteroide haben in der Pferdemedizin einen schlechten Ruf. Tatsächlich können sie – wie viele andere Arzneimittel – Nebenwirkungen haben. Gleichzeitig gehören sie bei Equinem Asthma zu den wirksamsten Medikamenten, um die Entzündung der Atemwege zu kontrollieren. Ob und welches Präparat eingesetzt wird, sollte immer gemeinsam mit der behandelnden Tierärztin oder dem behandelnden Tierarzt entschieden werden. Ziel ist es, die Entzündung möglichst wirksam zu behandeln und dabei die niedrigste individuell wirksame Dosis zu verwenden.

Genau hier setzen Kortikosteroide (oft einfach als „Kortison" bezeichnet) an. Sie gehören zu den wichtigsten Medikamenten bei Equinem Asthma, weil sie die Entzündungsreaktion in den Bronchien gezielt abschwächen. Dadurch können Schwellungen der Atemwegsschleimhaut zurückgehen, die Schleimbildung nimmt häufig ab und die Atemwege reagieren weniger empfindlich auf Staub und andere Reizstoffe.

Kortikosteroide können auf unterschiedliche Weise verabreicht werden:

💊 Systemisch

Zum Beispiel als Tablette, Saft oder Injektion. Diese Form wird häufig bei stärkeren oder akuten Krankheitsschüben eingesetzt, da sie den gesamten Körper erreicht und meist schnell wirkt.

🫁 Inhalativ

Direkt über einen Inhalator in die Atemwege. Dadurch gelangt der Wirkstoff gezielt an den Ort der Entzündung. Da weniger Wirkstoff in den gesamten Körper aufgenommen wird, können systemische Nebenwirkungen geringer ausfallen. Dennoch sollte auch eine inhalative Kortikosteroidtherapie ausschließlich nach tierärztlicher Anweisung erfolgen.

Zu den häufig verwendeten Wirkstoffen gehören unter anderem:

Dexamethason Prednisolon Ciclesonid Fluticason Beclometason Budesonid
Kortikosteroide lindern zwar die Entzündung sehr wirksam, beseitigen jedoch nicht die Ursache des Problems. Bleibt das Pferd weiterhin hohen Mengen an Staub, Schimmelpilzsporen, Endotoxinen oder Ammoniak ausgesetzt, können die Beschwerden trotz Medikamenten erneut auftreten. Deshalb gehören eine möglichst staubarme Haltung und Fütterung immer zur Behandlung dazu.

Kortikosteroide sind verschreibungspflichtige Arzneimittel und sollten ausschließlich nach tierärztlicher Diagnose und Anweisung eingesetzt werden. Dosierung, Behandlungsdauer und ein mögliches Ausschleichen der Therapie müssen individuell festgelegt werden. Außerdem sind bei Sportpferden die geltenden Dopingbestimmungen zu beachten.

3

Schleimlöser und unterstützende Inhalationslösungen

Bei Equinem Asthma bildet sich häufig zäher Schleim in den Atemwegen. Dieser kann den natürlichen Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien beeinträchtigen und das Abhusten erschweren. Je nach Ursache und Symptomatik können schleimlösende Medikamente oder Inhalationslösungen unterstützend eingesetzt werden. Schleimlöser können den Schleim verflüssigen. Voraussetzung für einen erfolgreichen Abtransport ist jedoch, dass die Bronchien ausreichend geöffnet sind und die Entzündung kontrolliert wird.

💊 Schleimlösende Medikamente

Schleimlöser (Mukolytika) sollen dabei helfen, zähen Schleim zu verflüssigen, sodass er leichter abtransportiert oder abgehustet werden kann. Zu den in der Pferdemedizin eingesetzten Wirkstoffen gehören beispielsweise:

Dembrexin Acetylcystein

Da bei Equinem Asthma die Entzündung der Atemwege die eigentliche Ursache der Beschwerden ist, ersetzen Schleimlöser keine entzündungshemmende Behandlung und keine konsequente Reduzierung von Staub und anderen Atemwegsreizstoffen.

🫁 Hypertone Inhalationslösungen

Durch die Inhalation gelangen feine Aerosole direkt in die Bronchien. Hypertone Inhalationslösungen besitzen einen höheren Salzgehalt als die Körperflüssigkeit. Dadurch wird Wasser an die Oberfläche der Atemwegsschleimhaut gezogen. Der zähe Schleim kann sich verflüssigen und lässt sich anschließend leichter über den natürlichen Reinigungsmechanismus der Bronchien in Richtung Rachen transportieren und abhusten.

Sole-Lösungen Hypertone NaCl
Im Gegensatz zu Arzneimitteln enthalten diese Inhalationslösungen in der Regel keine bronchienerweiternden oder entzündungshemmenden Wirkstoffe. Ihre Wirkung beruht vielmehr auf physikalischen Eigenschaften, die den natürlichen Schleimtransport unterstützen können.
Da hypertone Inhalationslösungen den Schleimhäuten Wasser entziehen können, sollten sie nicht dauerhaft oder ohne Rücksprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt angewendet werden. Für die regelmäßige oder längerfristige Inhalation können – je nach Ziel der Behandlung – isotone Inhalationslösungen besser geeignet sein, da sie die Schleimhäute befeuchten, ohne ihnen zusätzlich Wasser zu entziehen.

Inhalation beim Pferd: Warum Partikelgröße wichtig ist

Damit inhalierte Wirkstoffe die unteren Atemwege erreichen, muss die Partikelgröße passen. Für die tiefere Lunge sind vor allem kleine Partikel relevant. In der Fachliteratur wird beschrieben, dass Partikel unter 5 µm kleinere Bronchiolen und alveoläre Bereiche erreichen können, während größere Partikel eher in den oberen Atemwegen oder großen Atemwegen abgeschieden werden.

Ebenso wichtig ist ein Inhalationsgerät, das ausreichend viele lungengängige Partikel erzeugt. Nur dann können Medikamente oder Inhalationslösungen die unteren Atemwege zuverlässig erreichen.

Warum Haltungsoptimierung immer dazugehört

Die wichtigsten Belastungsfaktoren bei Equinem Asthma sind:

lungengängiger Staub
Schimmelpilzsporen
Endotoxine
Ammoniak
schlechte Stallluft
Das MSD Veterinary Manual empfiehlt deshalb, allergenarme Bedingungen zu schaffen: möglichst viel Frischluft, staubarmes Futter, geeignete Einstreu, gute Lüftung, kein Heulager über den Boxen, Pferde während des Mistens möglichst nicht im Stall und bei Bedarf gewässertes oder bedampftes Heu, Heulage, Heucobs oder pelletierte Rationen.

Fazit: Medikamente gezielt einsetzen – aber nicht isoliert betrachten

Bei Equinem Asthma braucht es meist ein Gesamtkonzept. Medikamente können akute Beschwerden lindern, Entzündungen kontrollieren und die Atmung erleichtern. Langfristig entscheidet aber häufig die konsequente Reduktion von Staub, Schimmel, Endotoxinen, Ammoniak und schlechter Stallluft darüber, ob dein Pferd stabil bleibt.

Sprich mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt, wenn dein Pferd hustet, schwer atmet oder wiederkehrende Atemwegsprobleme zeigt. Je früher ein passendes Konzept steht, desto besser lassen sich Belastungen für die Lunge reduzieren.

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Unterstützung für die Atemwege im Alltag

Neben tierärztlicher Diagnostik, Haltungsoptimierung und – falls nötig – Medikamenten kann eine regelmäßige Inhalationsroutine helfen, die Atemwege im Alltag zu unterstützen. bitopEQUI® bietet dafür Produkte rund um die Inhalation und Atemwegspflege beim Pferd.

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Häufige Fragen zu Hustenmedikamenten beim Pferd

Welche Medikamente eingesetzt werden, hängt von der Ursache, der Schwere der Erkrankung und den Symptomen des Pferdes ab. Häufig kommen Bronchienerweiterer (Bronchodilatatoren), entzündungshemmende Medikamente (Kortikosteroide) sowie – je nach Situation – Schleimlöser zum Einsatz. Welche Therapie für dein Pferd geeignet ist, sollte immer die behandelnde Tierärztin oder der behandelnde Tierarzt entscheiden.
Ob Medikamente notwendig sind, hängt von der Schwere der Erkrankung und den Beschwerden des Pferdes ab. Bei milden Verläufen kann eine konsequente Verbesserung der Haltungs- und Fütterungsbedingungen bereits zu einer deutlichen Entlastung der Atemwege beitragen. Dazu gehören vor allem die Reduktion von lungengängigem Staub, Schimmelpilzsporen, Endotoxinen und Ammoniak sowie eine gute Stallbelüftung. Bei akuten Krankheitsschüben oder stärker ausgeprägtem Equinen Asthma reichen Umweltmaßnahmen allein jedoch häufig nicht aus, sodass zusätzlich Medikamente erforderlich sein können.
Kortikosteroide gehören zu den wirksamsten Medikamenten zur Behandlung von Entzündungen bei Equinem Asthma. Wie jedes Arzneimittel können sie jedoch Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten sie ausschließlich nach tierärztlicher Diagnose und Anweisung eingesetzt werden. Inhalative Kortikosteroide können den Vorteil haben, dass der Wirkstoff gezielt in den Atemwegen wirkt und im Vergleich zu einer systemischen Behandlung weniger Wirkstoff in den gesamten Körper gelangt.
Bronchienerweiterer entspannen die Muskulatur der Bronchien und erleichtern dem Pferd meist innerhalb kurzer Zeit das Atmen. Sie wirken jedoch nicht gegen die eigentliche Entzündung der Atemwege. Kortikosteroide setzen genau dort an: Sie hemmen die Entzündung und helfen dabei, Schwellungen und Schleimbildung zu reduzieren. Deshalb werden beide Medikamentengruppen häufig miteinander kombiniert.
Schleimlöser können eingesetzt werden, wenn sich zäher Schleim in den Atemwegen gebildet hat und das Abhusten erschwert ist. Sie unterstützen dabei, das Bronchialsekret zu verflüssigen. Voraussetzung für einen erfolgreichen Schleimtransport ist jedoch, dass die Atemwege ausreichend geöffnet sind und die Entzündung kontrolliert wird. Schleimlöser ersetzen daher keine entzündungshemmende Behandlung.
Die Inhalation kann ein wichtiger Bestandteil im Gesamtmanagement von atemwegserkrankten Pferden sein. Über einen Inhalator können Medikamente oder spezielle Inhalationslösungen direkt in die Bronchien gelangen. Dadurch können die Atemwege gezielt unterstützt werden. Welche Inhalationslösung oder welches Medikament sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden und dem Therapieziel ab und sollte mit der behandelnden Tierärztin oder dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.
Nein. Equines Asthma ist eine chronische Erkrankung der unteren Atemwege. Medikamente können Entzündungen kontrollieren, die Atmung erleichtern und Krankheitsschübe lindern. Für einen langfristigen Behandlungserfolg ist jedoch ein ganzheitliches Management entscheidend. Dazu gehören insbesondere eine staubarme Haltung, eine gute Stallluft sowie die Reduktion von Schimmelpilzsporen, Endotoxinen und anderen Atemwegsreizstoffen.