Allergien bei Pferden: Aktuelle Erkenntnisse und Husten als Warnsignal

Allergien bei Pferden

... sind ein wachsendes Problem in der Pferdehaltung und können die Gesundheit und Lebensqualität der Tiere erheblich beeinträchtigen. Sie äußern sich in verschiedenen Formen, von Hautproblemen wie Sommerekzem bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen wie Equinem Asthma. In diesem Artikel beleuchten wir die Ursachen, Symptome, diagnostische Verfahren und moderne Therapiemöglichkeiten. Zudem erklären wir, warum Husten ein ernstzunehmendes Warnsignal ist.

Was passiert bei einer Allergie?

Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Substanzen, sogenannte Allergene, die für gesunde Pferde normalerweise harmlos sind. Die immunologische Reaktion kann zu Entzündungen, Juckreiz oder Atemwegsproblemen führen. Allergien sind oft genetisch bedingt, können aber auch durch Umweltfaktoren verstärkt werden.

In der Human- und Tiermedizin werden allergische Reaktionen in vier verschiedene Typen unterteilt:

Typ-I-Allergie (Soforttyp, IgE-vermittelt)

Tritt innerhalb weniger Minuten bis Stunden nach Kontakt mit dem Allergen auf.

Zum Beispiel:

Pollenallergie
Insektenstichallergie
Futterallergien
Symptome für eine Typ-I-Allergie sind unter häufigen Umständen Juckreiz, Hautausschläge, Quaddeln oder Atemprobleme.

Typ-II-Allergie (zytotoxischer Typ)

Hierbei greift das Immunsystem körpereigene Zellen an, die sich mit dem Allergen verbinden.

Zum Beispiel:

Reaktion auf Medikamente
Symptome für eine Typ-II-Allergie sind unter anderem Anämie und Organschäden.

Typ-III-Allergie (Immunkomplextyp)

Es entstehen Antikörper-Antigen-Komplexe, die Entzündungen innerhalb von 6-12 Stunden hervorrufen.

Zum Beispiel:

Immunkomplexerkrankungen

bei chronischen Infektionen

Symptome für eine Typ-III-Allergie sind beispielsweise Entzündungen oder Gewebeschäden.

Typ-IV-Allergie (Spättyp, zellvermittelt)

Entwickelt sich über 24-72 Stunden nach Kontakt mit dem Allergen.

Zum Beispiel:

Kontaktallergien
chronische Hautentzündungen
Symptome für eine Typ-IV-Allergie sind Hautreaktionen, Verdickung der Haut und Juckreiz.

Häufige Auslöser von Allergien

Die häufigsten Allergene bei Pferden sind:

Allergen
Informationen
Pollen

Besonders im Frühjahr und Sommer problematisch.

Schimmelpilzsporen

In Heu, Stroh und schlechter Stallbelüftung vorhanden.

Hausstaubmilben

Befinden sich in der Einstreu und im Futter.

Insektenstiche

Besonders Mücken (z. B. Culicoides) können Sommerekzeme auslösen.

Futtermittel

Getreide, Soja, künstliche Zusatzstoffe.

Medikamente

Bestimmte Antibiotika oder Entzündungshemmer können allergische Reaktionen hervorrufen.

Symptome einer allergischen Reaktion

Je nach Allergen, der individuellen Empfindlichkeit des Pferdes und der Art der allergischen Reaktion können verschiedene Symptome auftreten. Diese können sich schleichend entwickeln oder akut auftreten. Besonders problematisch ist, dass einige Symptome unspezifisch sind und leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden können. Eine genaue Beobachtung des Pferdes sowie eine frühzeitige tierärztliche Abklärung sind daher essenziell, um die zugrundeliegende Allergie zu identifizieren und gezielt zu behandeln.

Hautveränderungen
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Juckreiz, Haarausfall, Krustenbildung
Atemwegserkrankungen
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Husten, Nasenausfluss, Atemnot
Verdauungsprobleme
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Koliken, Durchfall

Allgemeine Symptome
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Müdigkeit, Leistungsminderung

Warum Husten ein Warnsignal ist

Husten ist eines der häufigsten Symptome bei Atemwegsallergien und sollte nicht unterschätzt werden. Pferde sind obligate Nasenatmer, was bedeutet, dass sie nicht durch den Mund atmen können. Eine Verengung der Atemwege oder eine Entzündung der Schleimhäute kann daher die Sauerstoffaufnahme stark beeinträchtigen und zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen. Besonders bei Pferden mit chronischem Husten oder wiederkehrenden Atembeschwerden besteht das Risiko einer fortschreitenden Lungenerkrankung wie dem Equinen Asthma. In vielen Fällen wird der Husten durch Umweltfaktoren wie Staub, Schimmelpilze oder Pollen ausgelöst. Daher ist es entscheidend, frühzeitig auf erste Anzeichen zu reagieren und gegebenenfalls eine tierärztliche Untersuchung durchführen zu lassen, um langfristige Schäden zu vermeiden.

Ein länger anhaltender Husten kann zu dauerhaften Lungenschäden führen, weshalb frühzeitige Diagnostik und Behandlung essenziell sind.

Diagnose von Allergien

Die Diagnose von Allergien bei Pferden erfordert eine umfassende Untersuchung, da die Symptome oft unspezifisch sind und mit anderen Erkrankungen verwechselt werden können. Eine frühzeitige und präzise Diagnose ist essenziell, um die passende Therapie einzuleiten. Folgende Methoden werden dabei genutzt:

1. Anamnese & klinische Untersuchung: Abklärung der Haltung, Fütterung und bisherigen Symptome.

2. Allergietests: Nachweis von Antikörpern oder Reaktionen auf Allergene.

Um eine Allergie zuverlässig zu diagnostizieren, stehen verschiedene Testverfahren zur Verfügung. Die Wahl der geeigneten Methode hängt von den Symptomen des Pferdes sowie der Art der vermuteten Allergie ab. Hier sind die wichtigsten diagnostischen Tests im Überblick:
  • Bluttests (Serologische Tests)

    Bei diesem Test wird das Blut des Pferdes auf spezifische Antikörper (IgE) gegen potenzielle Allergene untersucht.

    Er gibt Hinweise darauf, ob das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Stoffe reagiert.


    Vorteile: Schnell und relativ einfach durchzuführen.

    Nachteile: Kann zu falsch-positiven Ergebnissen führen, da nicht jede Antikörperreaktion eine klinisch relevante Allergie bedeutet.

  • Intrakutantest (Hauttest)

    Bei diesem Verfahren werden kleine Mengen potenzieller Allergene in die Haut des Pferdes injiziert.

    Nach 20 bis 40 Minuten wird die Reaktion geprüft – bildet sich eine Rötung oder Schwellung, deutet dies auf eine Allergie hin.


    Vorteile: Präzisere Ergebnisse als Bluttests, da direkt die Reaktion des Immunsystems auf das Allergen sichtbar wird.

    Nachteile: Muss unter tierärztlicher Überwachung durchgeführt werden, da es zu starken Reaktionen kommen kann.

  • Provokationstest

    Das Pferd wird bewusst mit einem verdächtigen Allergen in Kontakt gebracht (z. B. durch Einatmen oder Füttern).

    Danach wird beobachtet, ob eine allergische Reaktion auftritt.


    Vorteile: Liefert zuverlässige Informationen über die klinische Relevanz einer Allergie.

    Nachteile: Kann eine starke allergische Reaktion hervorrufen, daher nur unter tierärztlicher Aufsicht durchzuführen.

  • Bronchoalveoläre Lavage (BAL)

    Speziell für Atemwegsallergien wie equines Asthma oder Heustauballergie.

    Eine sterile Flüssigkeit wird in die Lunge eingebracht und anschließend abgesaugt, um die entzündlichen Zellen in den Atemwegen zu analysieren.


    Vorteil: Liefert eine präzise Diagnose bei chronischem Husten und Atemwegsproblemen.

    Nachteil: Erfordert einen minimalinvasiven Eingriff.

Therapiemöglichkeiten

Die Behandlung von Allergien bei Pferden erfordert eine gezielte und ganzheitliche Herangehensweise. Eine erfolgreiche Therapie basiert nicht nur auf der Linderung akuter Symptome, sondern auch auf der langfristigen Vermeidung von Allergenen sowie der Stärkung des Immunsystems. Je nach Art und Schwere der Allergie stehen verschiedene Behandlungsstrategien zur Verfügung, die individuell auf das betroffene Pferd abgestimmt werden sollten. Dabei spielen sowohl schulmedizinische als auch alternative Methoden eine wichtige Rolle.

1. Allergenvermeidung

Staubarme Einstreu (z. B. Leinstroh, Späne).

Bedampftes oder eingeweichtes Heu zur Reduzierung von Staub.

✅ Mückenabwehr zur Vermeidung von Insektenstichen (Fliegenmaske, Fliegendecke)

2. Medikamentöse Behandlung

✅ Antihistaminika und Kortikosteroide zur Reduzierung der Entzündung.

✅ Bronchodilatatoren bei Atemwegsproblemen.

3. Hyposensibilisierung

✅ Spezifische Immuntherapie (SIT) zur Gewöhnung des Immunsystems an das Allergen.

✅ Eine Studie der Universität Bern zeigte, dass eine spezifische Immuntherapie (SIT) bei Pferden mit Pollenallergie in über 70 % der Fälle zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führte. Dies belegt, dass eine gezielte Hyposensibilisierung langfristig eine wirksame Behandlungsoption darstellen kann.

4. Alternative Therapien

✅ Inhalation mit bi-medEctoin® und/oder Kochsalzlösung zur Pflege, Befeuchtung und Schleimlösung.

Osteopathische und Physiotherapeutische Maßnahmen zur Lockerung möglicher Verspannungen, die Symptome wie Husten hervorrufen können.

✅ Unterstützung über das Futter (z.B. in Form von Kräutern)

Fazit

Allergien bei Pferden sind komplex und erfordern eine genaue Diagnose sowie eine individuell angepasste Behandlung. Besonders Atemwegsallergien sollten ernst genommen werden, da Husten oft ein Hinweis auf eine tieferliegende Erkrankung ist. Dank moderner Therapieverfahren, wie Hyposensibilisierung und innovativer Inhalationslösungen, gibt es heute effektive Möglichkeiten, um betroffenen Pferden ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.